Ein Meisterstück im Handwerk

Der Weg zum Meister

Das eigene Meisterstück ist wohl für jeden Schneider oder Handwerker eine ganz besondere Arbeit. Und wenn es erst einmal gefertigt ist, ist ein großer Meilenstein geschafft.

Die Aufgabenstellung im praktischen Bereich für uns Maßschneider war es, ein Großstück für einen Kunden in Klausur und in einer Prüfungswerkstatt in 80 Zeitstunden anzufertigen. Bei der Modellwahl mussten wir angehenden Schneidermeister viele Kriterien im Bereich Passform, Verarbeitung und Schnitttechnik berücksichtigen. Etwa ein halbes Jahr vor unserer Prüfung mussten wir unsere Meistermappe bei der Prüfungskommission vorlegen und unser Modell mit Modellzeichnungen, Kundenmaßen, Stoffproben und Kalkulation vorstellen.

Schon die Mappe an sich war ein Teil, der mit einer gewissen Prozentzahl in die Endnote einfließen sollte, weswegen ich mir viele Gedanken zur äußeren und inhaltlichen Gestaltung machte.

Nach vielen Modellentwürfen und möglichen Stoffen fand ich das für mich perfekte Meisterstück, mit dem ich mich als leidenschaftliche Schneiderin identifizieren konnte und was gleichzeitig eine Herausforderung darstellte.

Meisterstück im Handwerk
Modezeichnung Schneiderblog

Gestaltung

Als Stoffe und Kleidungsstücke entschieden waren, gestaltete ich dazu passend meine Meistermappe, gab sie in den Druck und band sie nach klassischer Buchbinderart per Hand selbst. Der Einband und die Buchecken bezog ich mit dem strahlenden Seidenstoff, mit dem ich später meinen Mantel abfüttern wollte.

Nun zu meinem Meisterstück:

Da ich nicht nur die Mindestanforderungen für die Prüfung abhaken, sondern eine perfekte handwerkliche und durchdesignte Komposition schneidern wollte, entschied ich mich für die auf den Fotos abgebildete Kombination aus Bluse, Rock und Mantel.

Die Bluse

Die weiße Bluse besticht durch ihre schlichte Eleganz der Farbe und der verdeckten Knopfleiste. Im Kontrast und als Highlight stehen die bogenförmigen Manschetten und Kragen, welchen ich mit Swarovski-Perlen bestickt habe. Während er Prüfung habe ich doch das ein oder andere Mal über mich den Kopf geschüttelt, wie ich mich ernsthaft in so einer wichtigen Prüfung für einen weißen Stoff entscheiden konnte und ich lief ständig mit einem Lappen herum und wischte regelmäßig die Arbeitsflächen ab, bevor ich weiterarbeitete und bügelte nur mit extra Tuch, damit ja keine Verschmutzung auf dem so empfindlichen Baumwollstoff landen würde. Die große Sorgfalt lohnte sich und ich konnte die Bluse am Ende der Prüfung einwandfrei an die Prüfungskommission übergeben.

Anprobe des eines Meisterstücks
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Tulpenrock und Mantel

Zur Bluse schneiderte ich einen extravaganten Tulpenrock aus einem wunderschönen, gelben Seidenjaquard, der eigentlich aus dem Luxus-Interieur-Bereich kommt. Hier war die Herausforderung der steife Fall des Stoffes und damit die perfekte Legung der Falten, sowie die Symmetrie des eingewebten Musters an den Nähten. Hinzu kam eine wunderschöne Innenverarbeitung mit Seidenpaspel an Bund und Saum, die vor allem die Trägerin beim An- und Ausziehen begeistert.

Als letztes und aufwändigstes Kleidungsstück entschied ich mich für einen eleganten dunkelblauen Glockenmantel im Dior-Stil aus Wolle-Seide. Beim genaueren Hinsehen fällt er durch seine raffinierte und taillierende Linienführung auf und seinen besonderen, großen Kragen in „Schmetterlingsform“, welche die gebogenen Formen von Kragen und Manschetten der Bluse aufgreift. Auch die Glockenform umspielt fantastisch die ballonartige Form des plastischen Rocks, welcher bei geschlossenem Mantel gleichzeitig als Gestell dient. So schön der Mantel von außen ist, so ist er es auch von innen. Als Futter entschied ich mich für einen strahlend gelben Liberty-London-Seidensatin mit Blümchendessin und arbeite als Zierde noch einen Paspel in den Übergang zum Oberstoff.

Mein Meisterstück ist für mich wirklich eine herausragende Leistung. Ich habe ziemlich genau die angeforderten 80 Stunden ausgefüllt, teilweise natürlich unter Druck und mit der Sorge mir zu viel zugetraut zu haben aber auf der anderen Seite auch mit der Gewissheit, dass ich es schaffen würde.

So konnte ich in der letzten Anprobe vor der Prüfungskommission ein wahnsinnig schönes und hervorragendes Meisterstück präsentieren, auf welches ich sehr stolz bin.

 

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